Typhusepidemie 1813–14 im Amt Borna

1813/14 brach in jenen Regionen Sachsens, die am meisten von den Feldzügen der Napoleonischen Kriege heimgesucht wurden, das sogenannte „Nervenfieber“ aus. So nannte man damals den Typhus. Im Amt Borna trat das Nervenfieber in drei Wellen auf. Im März 1813 brachten von Napoleons Russlandfeldzug zurückkehrende Soldaten die Krankheit mit. Zunächst wurden nur wenige Einheimische angesteckt. Auch Todesopfer waren nicht zu beklagen. Nach dem Frühjahrsfeldzug und der Schlacht bei Großgörschen flammte die Seuche erstmals stärker auf. Am schlimmsten aber war die dritte Welle, die infolge der Völkerschlacht bei Leipzig ausbrach und bis weit ins Jahr 1814 hinein zahlreiche Todesopfer unter der ansässigen Bevölkerung forderte.

Erstmals in der regionalen Geschichte wurden die Zahlen Erkrankter und infolge der Epidemie Verstorbener exakt festgehalten und statistisch ausgewertet. Dank dieser Aufzeichnungen wissen wir genau, wie sehr die einzelnen Orte von der Krankheit betroffen waren und wie viele Menschen an ihr starben.

Die Unterschiede werden bei der Betrachtung von Bornas Umgebung deutlich. Besonders stark waren die Dörfer entlang der Wiener Heerstraße betroffen. Dieser Verkehrsweg, der mitunter auch als Leipziger Poststraße bezeichnet wurde, entspricht weitgehend der bis auf Mittelalter zurückgehenden Via Imperii. Auf ihr vollzog sich der Vormarsch der aus Böhmen vorrückenden antinapoleonischen Verbündetenarmee. In Borna und seinem direkten Umfeld, wo eine relativ gute medizinische Betreuung existierte, konnte die Krankheit weitgehend im Zaum gehalten werden. In Dörfern wie Bergisdorf und Kreudnitz hingegen starben ausnahmslos alle Infizierten.

Typhusepidemie 1813–14 im Amt Borna
Vollbild: Typhusepidemie 1813–14 um Borna + Hotspots im Amt Borna

Im Kernbereich des Amtes Borna gab es besonders stark betroffene Orte. Sie lagen entweder an den überregionalen Straßenverbindungen in Nord-Süd-Richtung (von Hain bis Langenleuba) oder in Ost-West-Richtung (Niedergräfenhain-Roda-Wolftitz-Eschefeld). Bei Eschefeld fanden ebenso wie bei Mölbis Gefechte oder größere Einquartierungen statt. Von all dem legt die Typhusstatistik exakt Zeugnis ab.

Quelle: Listen der 1813 und 1814 in den Ämtern erkrankten und verstorbenen Personen 1814–1815. Sächsisches Staatsarchiv, 20004 Ältere Kreishauptmannschaft, Nr. 208


Zusammengestellt und geschrieben von Dr. Hans-Jürgen Ketzer (2020)