Pockenepidemie in Lobstädt

Von Epidemien und seinem persönlichen Leid berichtet auch Pfarrer Alexander Bernhard Zürn in seiner Chronik von Lobstädt.

Das Gemälde von Alexander Bernhard Zürn hängt im Vorraum der Kirche zu Lobstädt
Das Gemälde von Alexander Bernhard Zürn hängt im Vorraum der Kirche zu Lobstädt

Zum Jahr 1866 schreibt er:

„In der Mitte des Monats Januar entstand eine furchtbare Pockenepidemie am hiesigen Orte. Sie war von den böhmischen Eisenbahnarbeitern, die gegen 100 allhier sich eingemietet hatten, eingeschleppt worden. – Gegen 40 Personen wurden von dieser schrecklichen Krankheit bald mehr, bald minder heimgesucht. Als erstes Opfer fiel ihr nach qualvollen Leiden meine liebe, unvergessliche Frau, die treue Mutter von 7 Kindern, 54 Jahre 10 Monate alt, am 23. Januar früh 5 Uhr. Sie wurde am 25. Januar abends in der Stille auf unserem Gottesacker beigesetzt. Ihre Ruhestätte hat sie in einem ausgemauerten Grabe gleich beim Eintritt auf den Friedhof (auf der nördlichen Seite) gefunden. Bei ihrer Beerdigung sprachen Herr Pastor Döring aus Deutzen und Herr Garnisionsprediger Dr. Geyer aus Altenburg. Gott lohne ihr tausendmal die treue Liebe, die sie uns erwiesen! – Die Zeit dieser Krankheit war eine schreckliche für mein Haus. Alle Bekannte vermieden es, die Stätte so schwerer Leiden zu betreten. Die Furcht der Ansteckung war groß. – Nach dem Tode meiner guten Frau legte sich auch mein Sohn Rudolph, der auf das treueste die kranke Mutter gepflegt hatte, und bekam ebenfalls, aber auf eine sehr leichte Weise die Pocken. Auch meine jüngste Tochter wurde krank, aber nicht an den Pocken. – Als zweites Opfer fiel ihr Christian Gottlob Fiedler, 45 Jahre 11 Monate alt, ein hiesiger Gutsbesitzer, der eine Witwe und 4 unversorgte Kinder, außerdem 3 erwachsene Stiefkinder hinterließ. – Er starb einen qualvollen Tod am 11. Februar.“

Quelle: Chronica. Aufzählung aller merkwürdigen Begebenheiten in kirchlicher und örtlicher Hinsicht, so sich in Lobstädt seit dem Jahre 1840 zugetragen haben nebst einigen Nachrichten aus älterer Zeit angelegt von Magister Alexander Bernhard Zürn, Pfarrer, Pfarrarchiv Lobstädt, Loc. XVI, 3.


Zusammengestellt von Dr. Hans-Jürgen Ketzer (2020)