Anordnung zur Bekämpfung der Kinderlähmung und ihrer Folgen

Zu den Begriffen des aktuellen Zeitgeschehens zählen „Kontaktverbot“ und „Ausgangsbeschränkung“. Wobei „Corona“ sicher mal zum Wort des Jahres 2020 gewählt wird.

Einher gehen die derzeitigen Einschränkungen mit behördlichen Anweisungen. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit belegt ein ähnliches Vorgehen bei der Bekämpfung der Kinderlähmung (Poliomyelitis).


An die Bevölkerung des Kreises Borna!

Das Ansteigen der spinalen Kinderlähmung macht es erforderlich, die Bevölkerung nochmals auf die Anordnung vom 20. Juli hinzuweisen.

Zur Vermeidung von Ueberanstregung und Unterkühlung bleibt das Verbot über bereits getroffene Maßnahmen bestehen:

1.Verbot von sämtlichen sportlichen und kulturellen Veranstaltungen.
2.Verbot von Kino- und Theatervorstellungen für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahre.
3.Schließung aller öffentlichen Bäder, einschließlich der Hallen- und Freibäder. Das Schulbaden und kalte Duschen ist an allen Schulen einzustellen.
4.Die örtlichen Ferienlager und Ferienspiele werden weiter aufrechterhalten. Jedoch müssen die Helfer darauf achten, daß die Kinder sich nicht körperlich überanstrengen.
5.Das Abhalten vor Jahrmärkten und dergleichen ist untersagt.
6.Der ambulante Speiseeisverkauf ist einzustellen.
7.Der Bevölkerung wird geraten, Reisen, Rad- und Wandertouren nach außerhalb des Kreises nicht zu unternehmen. Besonders soll davon abgesehen werden, mit Kindern den Leipziger Zoo und das Völkerschlachtdenkmal zu besuchen.

Verstöße gegen die Anordnung werden aufgrund der Strafbestimmungen der Verordnung über die Hygieneinspektion vom 4.12.1952, Ges. Bl. S. 1271, geahndet. gez. Dr. Jähnicke, stellv. Kreisarzt.

Quelle: Leipziger Volkszeitung, 16. August 1953


Aus dem Archiv des Heimatvereins des Bornaer Landes e. V.