1813 – Typhus im Bornaer Land

Als im Frühjahr 1813 vom Russlandfeldzug Napoleons zurückkehrende Truppen den Bornaer Raum erreichten, brachten sie die Typhus-Epidemie mit. Die Krankheit nannte man damals Nervenfieber. Ihr erster Ausbruch erfolgte bis Ende März 1813. Nach dem Truppendurchzug im Umfeld der Schlacht bei Großgörschen flammte sie im Mai erneut auf. Am schlimmsten wurde es jedoch nach der Völkerschlacht bei Leipzig. Die dritte Krankheitswelle dauerte von Mitte Oktober 1813 bis ins Jahr 1814 hinein und forderte zahlreiche Todesopfer, vor allem unter den Soldaten, aber auch unter der Bevölkerung des Bornaer Landes.

Damals schon führte man eine genaue Statistik. Somit wissen wir, welche Orte am schlimmsten von der Seuche heimgesucht wurden:

Niedergräfenhain mit Altdorf hatte 262 Einwohner, von denen 190 an Typhus erkrankten und 29 daran starben.
Mölbis hatte 78 Einwohner, von denen 47 an Typhus erkrankten und 12 daran starben.
Jahnshain hatte 203 Einwohner, von denen 66 an Typhus erkrankten und 12 daran starben.
Wolftitz hatte 170 Einwohner, von denen 48 an Typhus erkrankten und 6 daran starben.
Langenleuba(-Oberhain) hatte 719 Einwohner, von denen 200 an Typhus erkrankten und 72 daran starben.
Hayn hatte 259 Einwohner, von denen 69 an Typhus erkrankten und 9 daran starben.
Eschefeld hatte 487 Einwohner, von denen 126 an Typus erkrankten und 49 daran starben.

Es gab aber auch Orte, in denen es gar keine Infektionen gab, z. B. in Heuersdorf, Hohendorf, Kleinhermsdorf, Kömmlitz, Schleenhain, Thierbach und Schleenhain. Man rechnete damals damit, dass rund 11 von 100 Infizierten an der Krankheit starben. Allerdings trugen bessere Allgemeinumstände und gute Pflege dazu bei, dass die Sterblichkeit unter der Zivilbevölkerung in der Regel niedriger lag, jene in den Militärlazaretten hingegen viel höher.


Zusammengestellt und geschrieben von Dr. Hans-Jürgen Ketzer (2020)